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Freitag, 27. Dezember 2024

Varieté trifft Retro-Zirkus -- im Advent

 

DRAHTSEIL-AKT

Eine liebe Freundin hatte mich zum vierten Advent nach Leipzig eingeladen, ins Varieté Krystallpalast, in
einem unscheinbaren Gebäude, unweit vom Zentrum um den Brühl herum.

Es war eine bezaubernde Vorstellung mit einem Hauch von Roncalli-Charme. Jongleure, Messerwerfer, Schlappseil-Artistik, Schattenspiele, ein bisschen Magie und nicht zu vergessen ein hinreißender Flohzirkus, dessen Primadonna Frau Renata den menschlichen Artisten beinahe den Rang abläuft.

Die Produktionsfirma dieser Show hat ganze Arbeit geleistet. Solch einen gelungenen Mix an artistischer Bühnenkunst habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen. Und so eine Artistencompagnie auch nicht. Alle Mitwirkenden waren bei der Eröffnung und im Finale komplett auf der Bühne und zwischendurch interagierten sie immer wieder in neuen Kombinationen.


Wenn man im Programmheft nachschaut, wer da alles auf der Bühne steht, findet man keinen einzigen deutschen Namen. All diese Leute werden nicht mehr für uns auftreten wenn endlich alle „Ausländer raus" sind. Fast könnte man annehmen, das Publikum im ausverkauften Haus wollte die Gelegenheit noch schnell nutzen, bevor es vorbei ist.

Auf dem Rückweg über die Leipziger Weihnachtsmarkt sah man Polizeiautos in den Einfahrten stehen, wo die Poller eine Lücke für Lieferanten und Rettungsfahrzeuge lassen. Das Attentat von Magdeburg mit 6 Toten und 300 Verletzten hat offensichtlich dafür gesorgt, dass die Polizei die Sicherheit ein bisschen ernster nimmt. Jedenfalls auf Weihnachtsmärkten.

In Görlitz wurden unterdessen am gleichen Tag linke Kommunalpolitiker von vermummten Schlägern misshandelt. Sicherlich als Ausdruck von Meinungsfreiheit – "man darf ja nichts mehr sagen", also schlägt man zu – und gleichzeitig Kritik am System der lästigen Demokraten. Die Polizei war vor Ort und konnte einige Täter fassen – um sie bald wieder laufen zu lassen. War ja kein Weihnachtsmarkt.




Freitag, 27. Dezember 2013

Das Beste zuletzt: Weihnachtsgala in Meissen

Von der Weihnachtsgala zur Weihnachtsgans ...

von Reinhard Heinrich
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Bild: Künstleragentur Baudis
... führt eilends der ganz normale Weg eines Gastwirts sofort nach Ende der Veranstaltung, wenn dieser Gastwirt eine Künstleragentur betreibt und beliebte Stars der Unterhaltungskunst im vollbesetzten Saal der Fachhochschule Sächsische Verwaltung in Meissen präsentiert hat, unterstützt von seinem besten Mann, dem rekordträchtigen Xylophonspieler Bernd Warkus sowie einigen Sponsoren, denen das Meissner Publikum und seine "kulturelle Versorgung" offensichtlich am Herzen liegt - vom Blumenladen über die Winzer bis zur Zeitung und zum Lokalfernsehen. Der Wirt und Stadtrat sauste als erster los, während das Publikum noch klatschend und zu grossen Teilen mit "standing ovations" den Unterhaltungskünstlern huldigte. Die Küche rief. Denn Weihnachtsgans war tatsächlich angesagt - gegen Vorbestellung laut Plakat versteht sich - aber wie soll er denn "die Kartoffeln aufsetzen", während er auf und hinter der Bühne zu tun  hat? Also flitzt er anschliessend los. Während die Zuschauer noch schwelgen. Worin? 

Von "Ebert und Quermann" zu "Quermann und Warkus ...

... führt der Weg einer bewährten und beliebten Conference-Tradition. Bühnensicher, souverän, aber auch
Petra Quermann und
Stadtrat Ulli Baudis
mit Herz und Gefühl sagten Petra Quermann und Bernd Warkus nicht einfach die Nummern an sondern unterhielten auch mit witzigen und informierenden Texten, die man nicht mal so eben aus dem Ärmel schüttelt. 
Und da ist noch mehr: Bernd Warkus hat - unbewusst, wie er nachher sagte - Heinz Quermanns Tonfall und Satzbau so gut "gelernt", dass man den alten Meister direkt heraushören kann, wenn man will. Auf der Bühne jedenfalls.
Und es ist eben ein Unterschied zwischen conferieren mit dem Publikum und dem Moderieren ("verlangsamen") einer Veranstaltung. "Heinz des Quermanns" Tochter macht ihrem Vater und Vorbild Ehre und Bernd Warkus seinem Lehrmeister nicht weniger, der ihn früher meist "nur" am Xylophon ankündigte - aber wie er das gemacht hat!!!
Die Grande Dame Margot Ebert aus der Show des DDR-Fernsehens wurde diesmal eher von Dagmar Frederic - sehr überzeugend und mit besonders viel Herz - und Stimme natürlich - verkörpert. Von der Äquilibristik (Josephine) Gesang (Dagmar Frederic und Peter Wieland) bis hin zu Sketch und Parodie - alles wurde fachgerecht(!) gewürdigt - und das Publikum heiter bis komisch mitgenommen zur nächsten Darbietung. Mittels der Darbietung "Conference". Solche Qualität sah ich in Dresden zuletzt bei Uli Busch und O .F. Weidling. 

Reifen, Kreise und ein Rundgesang ...

Josephine -
nach dem Auftritt
... wurde dem Publikum geboten - eine runde Sache eben. Josephine mit ihrem sehenswerten, geschulten und trainierten Körper äquilibrierte, dass einem das Herz aufging. Nicht nur, dass sie das Gleichgewicht sauber und sicher hält - ihre Darbietung erfüllt höchste ästhetischer Ansprüche. Kein Stück verbissene Anstrengung oder auch nur Mühe ist ihr anzumerken, wie man es schon mal bei Meisterschaften im Kunstturnen und dergleichen sieht. Leicht und gleitend bewegt Josephine ihre Glieder in unglaubliche Positionen - ihr Lächeln gilt dem Publikum und ganz wie nebenbei entknotet sie grazil auf einem Bein stehend den Kopf von den Armen und dem "restlichen" Bein. Nicht die erreichte Position bietet den Augenschmaus sondern ihre Bewegung da hinein und wieder heraus. Irre verknotete Schlangenmenschen habe ich haufenweise gesehen. Aus dieser Ästhetik der langsamen Bewegung jedoch weht einen Hauch von Roncalli ...

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